Pfahlbau in Ganvie, Benin, Westafrika
Bewohnte Pfahlbauten gibt es
noch heute in allen Erdteilen,
so etwa in Südostasien, Westafrika
oder Mittelamerika.
Selbst in Europa sind sie noch hier und da zu finden. In unseren Breiten werden sie jedoch meist nur als Bade- und Freizeithäuser genutzt. Überall dort sind diese Bauten ohne Erdgeschoss und Keller häufig, wo Hochwasser und Überschwemmungen den Menschen – sei es in Flusstälern, an Seen oder am Meer – seit jeher Schwierigkeiten bereiteten und stets das „Siedeln auf Stelzen” als wirksame Schutzmaßnahme angesehen wurde. An manchen Orten wird der Pfahlbau aber auch aus Gründen der Tradition oder zum Schutz vor Ungeziefer gebaut.
Es gibt viele Möglichkeiten, die technische Aufgabe eines von der Erde abgehobenen Fußbodens.
Bei den Hausformen und Geäudekonstruktionen lassen sich große Unterschiede feststellen.
Kaum eine Boden-, Wand oder Dachgestaltung gleicht der anderen. Die Hausform und die technische Lösung sind abhängig vom vorhandenen Baumaterial, den Ideen und Wertvorstellungen des Baumeisters, aber auch von den Bedingungen der Umwelt.
Es ist einleuchtend, dass im schlammigen Seeboden eine sorgfältigere Gründung erfolgen muss, als auf festem Lehm. Offensichtlich ist es auch, dass in Gegenden mit hohem Anteil an geradwüchsigem Nadelholz mehr die Blockbauweise, in Landschaften mit hohem Laubholzbestand dagegen eher der Firstsäulenbau mit gegabelten Tragpfählen anzutreffen ist.
Da bekannt ist, dass zur Stein- und Bronzezeit am Bodensee ein Laubmischwald wuchs und bereits damals Seespiegelschwanungen stattfanden, wird verständlich, dass am prähistorischen Bodenseeufer der Pfahlbau aus Laubhölzern gängiger Haustyp war.